Hans Walser, [20240912]
4-Punkte-Satz
Anregung: Dmitrij Nikolenkov (ETH Zürich)
Eine einparametrige Schar von Kegelschnitten durch vier gegebene Punkte
Wir schreiben die Gleichung der Geraden durch zwei Punkte A und B in der Form:
gAB = 0
Mit den Koordinaten A = [xA, yA] und B = [xB, yB] ist:
gAB := (y – yA) (xB – xA) – (x – xA) (yB – yA)
Man beachte, dass gAB ein Term ist, keine Gleichung. Aus der Gleichung gAB = 0 ergibt sich die Geradengleichung:
(y – yA) (xB – xA) – (x – xA) (yB – yA)
= 0
Die Gleichung ist
linear in x und y, also eine Geradengleichung. Durch Einsetzen der Koordinaten
von A beziehungsweise B sehen wir, dass die Gerade durch A und B verläuft.
Zu vier gegebenen
Punkten A, B, C und D definieren wir entsprechend die Terme gAB,
gBC, gCD, gDA.
Weiter wählen wir zwei Parameter λ und μ und definieren damit den Term:
λ
gAB gCD + μ gBC gDA
Dieser Term ist
quadratisch in x und y. Die Gleichung
λ gAB gCD + μ gBC gDA = 0
ist also eine
Kegelschnittgleichung. Der Kegelschnitt verläuft durch die vier Punkte A, B, C
und D.
Beispiel 1: Mit den Punkten A = [1, 0.8], B = [0, 1], C = [–1, 0] und D = [0.3, –1] sowie den Parameterwerten λ = 1.5 und μ = 0.6 ergibt sich die Ellipse (Abb. 1) mit der Gleichung:
1.5 (–y + 1.0 – 0.2 x) (1.3 y + x + 1) + 0.6 (–y + 1 + x) (0.7 y + 1.24 – 1.8 x) = 0
Vereinfacht:
–2.37 y2 – 0.390 y x +
0.126 y + 0.864 x + 2.244 – 1.38 x2 = 0

Abb. 1: Ellipse
Mit denselben Punkten, aber den Parameterwerten λ = 1.5 und μ = –0.6 ergibt sich die Hyperbel (Abb. 2) mit der Gleichung:
1.5 (–y + 1.0 – 0.2 x) (1.3 y + x + 1) – 0.6 (–y + 1 + x) (0.7 y + 1.24 – 1.8 x) = 0
Vereinfacht:
–1.5 y2 – 3.390 y x + 0.774 y + 1.536 x + 0.756 + 0.78 x2 = 0

Abb. 2: Hyperbel
Die beiden Parameter λ und μ dürfen nicht beide null sein, da sonst jeder Punkt der Ebene in die Lösungsmenge passt.
Für λ ≠ 0 und μ = 0 ergeben sich die beiden Geraden durch A, B beziehungsweise C, D (Abb. 3).

Abb. 3: Zwei Geraden
Für λ = 0 und μ ≠ 0 ergeben sich entsprechend die beiden Geraden durch B, C beziehungsweise D, A.
Die beiden Parameter λ und μ sind homogen, das heißt bei Multiplikation beider Parameter mit demselben Faktor ändert sich nichts. Wesentlich ist nur das Verhältnis der beiden Parameter. Wir können daher die beiden Parameter λ und μ von einem dritten Parameter t abhängig machen, zum Beispiel durch:
λ
= cos(t), μ = sin(t), t ∈ [0, π) (die
Obergrenze π genügt, da nachher bei beiden Parametern ein Faktor –1 dazukommt)
Die Abbildung 4 zeigt unser Beispiel mit allen möglichen Verhältnissen der beiden Parameter λ und μ.

Abb. 4: Variation der Parameter
Die Sonderfälle beziehen sich auf spezielle Anordnungen der vier gegebenen Punkte.

Abb. 5: Quadrat
Der Punkt D sei der Höhenschnittpunkt des Dreiecks ABC.
Wir haben ausschließlich gleichseitige Hyperbeln (mit orthogonalen Asymptoten) (Abb. 6).

Abb. 6: Gleichseitige Hyperbel
Der Mittelpunkt der gleichseitigen Hyperbeln läuft auf dem Feuerbachkreis des Dreiecks ABC (Abb. 7).

Abb. 7: Mittelpunkt auf Feuerbachkreis
Der Punkt D sei der Schwerpunkt des Dreiecks ABC (Abb. 8). Wir erhalten ausschließlich Hyperbeln. Der Schnittwinkel der Asymptoten variiert.
Abb. 8: Schwerpunkt
Der Mittelpunkt der Hyperbeln läuft auf der Ellipse, welche die Dreieckseiten in den Dreieckmittelpunkten berührt (Abb. 9).

Abb. 9: Mittelpunkt auf Ellipse
Wir arbeiten mit der Gleichung
λ
gAB gBC + μ gCD gDA = 0
Die Abbildung 10
zeigt die Situation für A = [1, 0.8], B = [0, 1], C = [–1,
0] und D = [0.3, –1] sowie den Parameterwerten λ = 1.5 und μ = 0.6. Wir
erhalten eine Hyperbel, aber die Punkte B und D werden vermieden.

Abb. 10:
Variante
Die Abbildung 11
zeigt die zugehörige Animation. Die Punkte B und D werden nur im Sonderfall
zweier sich schneidenden Geraden erreicht.

Abb. 11:
Animation
Die Abbildung 12
zeigt einen größeren Ausschnitt.

Abb. 12:
Größerer Ausschnitt