Hans Walser, [20260208]

Brettspiel

Anregung: Günter Maresch, Salzburg

1     Worum es geht

Symmetrien und Anordnungen im Dreipunkt-Raster.

2     Das Brettspiel

In einem Vortrag zur didaktischen Weltverbesserung wurde beiläufig ein Brettspiel gezeigt, das ich gemäß Abbildung 1 in Erinnerung habe.

Abb. 1.1: Brettspiel

Es fällt sofort auf, dass die roten Punkte im Vergleich mit den benachbarten gelben Punkten krass in der Überzahl sind. — Wie kann diese Ungleichheit behoben werden?

Die Abbildung 1.2 zeigt das Brettspiel unverzerrt.

Abb. 1.2: Brettspiel

3     Erinnerung: Davidstern

Die Figur erinnert an den Davidstern (Abb. 2).

Abb. 2: Davidstern

Die farbigen Spitzen sind flächengleich. Wir können sie der Reihe nach einklappen, bis sie das zentrale Sechseck lückenlos und überlappungsfrei bedecken (Abb. 3).

Abb. 3: Einklappen im Davidstern

Versuchen wir, in unserem Brettspiel die Ecken entsprechend einzuklappen (Abb. 4). Die roten Punkte lassen sich problemlos einklappen.

Abb. 4: Einklappen im Brettspiel

Bei den gelben Punkten ist es unschön, dass nicht alles hineingeht. Es bleibt außen etwas vor.

4     Der Streit um die Mitte

Beim Einklappen der grünen Punkte kommt es zu einem Streit um den Mittelpunkt des zentralen Sechseckes. Er wird sowohl von rot wie von grün beansprucht.

5     Modifikationen des Brettspiels

Wir versuchen nun die Ungleichheiten im Brettspiel der Abbildung 1 zu beheben.

Dazu einige Vorschläge.

5.1     Nivellierung nach unten

Wir reduzieren die Anzahlen der Punkte auf das gemeinsame Minimum (Abb. 5). Nun ist jede Farbe gleich oft vertreten.

Abb. 5: Nivellierung nach unten

Beim Einklappen können wir nicht mit einer Geradenspiegelung arbeiten, aber mit einer geeigneten Punktspiegelung geht es (Abb. 6). Es ist ein Punktspiegeln mit dem jeweils angegebenen Zentrum.

Abb. 6: Einspiegeln

Der Mittelpunkt des Sechseckes bleibt frei. Wir haben eine Lücke.

5.2     Kleiner Ausgleich

In der Version der Abbildung 7 hat jede Farbe gleich viele Punkte. Dafür ist keines der gleichseitigen Dreiecke vollständig, es fehlt jeweils ein Punkt.

Abb. 7: Gleich viele Punkte für jede Farbe

Beim Einklappen gibt es schon beim zweiten Schritt Überlappungen (Abb. 8).

Abb. 8: Überlappungen beim zweiten Schritt

6     Das Problem der Mitte

Das Brettspiel (Abb. 1) hat, von den Farben abgesehen, eine sechsteilige Drehsymmetrie und einen Punkt im Zentrum. Die Gesamtzahl der Punkte ist also ein Vielfaches von sechs plus eins, also kongruent 1 modulo 6. Damit ist ein lücken- und überlappungsfreies Einklappen oder Einspiegeln nicht möglich.

7     Pick

Nach einer Idee von Pick (Satz von Pick) geben wir den farbigen Punkten ungleiche Gewichte. Im Innern eines farbigen Dreiecks haben sie das Gewicht 1, am Rand ½ und in den Ecken nur ⅙ (Abb. 9).

Abb. 9: Ungleiche Gewichtung der Punkte

Sieht aus wie eine Lochblende mit dem Davidstern (Abb. 2) dahinter.

Nun können wir aber problemlos einklappen (Abb. 10).

 

Abb. 10: Einklappen

Das Problem dieser Lösung ist das Aufteilen der Punkte in Halbe und Sechstel. Im Originalspiel sind die Punkte wohl farbige Bolzen aus Hartholz.

8     Voronoi

Das Voronoi-Diagramm unseres Punktrasters ist ein Hexagonalraster (Abb. 11).

Abb. 11: Voronoi-Diagramm des Brettspiels

Die Abbildung 12 zeigt das Hexagonalraster ohne die Punkte des Brettspiels.

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Abb. 12: Hexagonalraster

Wir arbeiten neu mit den Gitterpunkten des Hexgonalrasters (Abb. 13).

Abb. 13: Gitterpunkte

Nun können wir die Punkte analog zum ursprünglichen Brettspiel einfärben (Abb. 14). Wir haben von jeder Farbe gleich viele Punkte.

Abb. 14: Einfärben der Punkte

Das Einklappen (Hineinspiegeln) geht jetzt problemlos (Abb. 15). Der Witz der Sache ist, dass wir jetzt keinen Punkt mehr in der Mitte haben.

Abb. 15: Hineinspiegeln

Die Abbildung 16 zeigt die Endlage der hineingespiegelten Punkte. Lückenlos und überlappungsfrei.

Abb. 16: Hineingespiegelte Punkte