Hans Walser, [20140122], [20260931]
Gerade im Viereck
In einem Viereck liegen der Diagonalen-Schnittpunkt, der Eckenschwerpunkt und der Flächenschwerpunkt auf einer Geraden (Seebach, 1994). Es wird eine allgemeine Eigenschaft dieser Geraden gezeigt.
Die Abbildung 1 zeigt eine Konstruktion des Eckenschwerpunktes.

Abb.1: Eckenschwerpunkt
Der Eckenschwerpunkt ist der Mittelpunkt des Kantenmittenparallelogramms. Die Seiten dieses Parallelogramms sind parallel zu den Viereckdiagonalen (Strahlensätze).
Die Abbildung 2 zeigt eine Konstruktion des Flächenschwerpunktes. Wir dritteln die Kanten des Viereckes und ergänzen zu einem Parallelogramm, dessen Seiten parallel zu den Viereckdiagonalen sind (Strahlensätze). Der Mittelpunkt dieses Parallelogramms ist der Flächenschwerpunkt.

Abb. 2: Flächenschwerpunkt
Die Abbildung 3 zeigt die beiden Schwerpunkte und den Diagonalen-Schnittpunkt. Die drei Punkte liegen auf einer Geraden.

Abb. 3: Drei Punkte auf einer Geraden
Die
bisherigen Konstruktionen legen nahe, wie folgt vorzugehen. Wir unterteilen die
Viereckseiten im Verhältnis
, ergänzen zu einem Parallelogramm, dessen Seiten
parallel zu den Viereckdiagonalen sind (Strahlensätze), und nehmen den
Mittelpunkt dieses Parallelogramms. Die Abbildung 4 zeigt einige Konstruktionen
dieser Art, die Viereckkanten sind in Sechstel aufgeteilt.

Abb. 4: Parallelogramme
Die Mittelpunkte der Parallelogramme liegen offenbar auf einer Geraden.
Wir können die Figur räumlich sehen, die roten Mittelpunkte liegen auf der Schnittgeraden der beiden durch Niveaulinien angegebenen blauen Ebenen. Wir sehen in ein Loch, das die Form einer umgekehrten schiefen Pyramide hat (Abb. 5).

Abb. 5: Pyramidenloch
Für den Beweis verwenden wir ein schiefes u,v-Koordinatensystem mit den Diagonalen des Vierecks als Achsen und dem Diagonalen-Schnittpunkt als Ursprung (Abb. 6).

Abb. 6: Beweisdisposition
In diesem
Koordinatensystem können die Eckpunkte Viereckes ABCD wie folgt beschrieben werden:
,
,
,
.
Aus dem
Teilverhältnis
bilden wir den
Parameter
. Für die Seitengeraden des Parallelogramms PQRS ergeben sich damit die Gleichungen:

Daraus erhalten wir für die Eckpunkte des Parallelogramms PQRS die Koordinaten:
![]()
Für den Mittelpunkt Z des Parallelogramms PQRS ergibt sich schließlich:
![]()
Dieser Punkt beschreibt in Abhängigkeit von t eine Gerade durch den Ursprung mit dem Richtungsvektor (der Richtungsvektor bezieht sich natürlich auf das schiefe u,v-Koordinatensystem):
![]()
Die Richtung ist also durch die Differenzen der Diagonalen-Abschnitte definiert. Der Richtungsvektor ist genau dann von null verschieden, wenn das Viereck nicht punktsymmetrisch ist.
Spezielle Punkte:
: Diagonalen-Schnittpunkt
: Eckenschwerpunkt
: Flächenschwerpunkt
t = 1: Diagonalen-Schnittpunkt des dem Viereck umbeschriebenen Parallelogramms mit Seiten parallel zu den Viereckdiagonalen
Bei Parallelogrammen degeneriert die Gerade zum Mittelpunkt.
Bei symmetrischen Vierecken ist die Gerade die Symmetrieachse.
Bei Sehnenvierecken, Tangentenvierecken und Sehnentangentenvierecken (Abb. 7) liegen die Mittelpunkte involvierter Kreise nicht auf der Geraden.

Abb. 7: Sehnentangentenviereck
Literatur
Seebach, Karl (1994): Nochmals Viereckschwerpunkte. DdM, Didaktik der Mathematik, 22. Jahrgang, Heft 4, 309-315.