Hans Walser, [20250616]
Goldener Schnitt
Eine kinematische Überlegung führt zu elliptischen Bahnkurven. Deren Halbachsen sind der Goldene Schnitt.
Wir passen zu zwei orthogonalen Geraden eine Strecke mit je einem Endpunkt auf den beiden Geraden ein (Abb. 1). Unter Schulmeistern wird dabei gerne von der „Leiter an der Wand“ gesprochen, dies im Kontext von Aufgaben zum Satz des Pythagoras.

Abb. 1: Leiter an der Wand
Für rechnerische Zwecke verwenden wir die beiden orthogonalen Geraden als Achsen eines kartesischen Koordinatensystems und geben der Strecke die Länge 1.
Wir können die Strecke bewegen (Abb. 2).

Abb. 2: Bewegen der Strecke
Der Strecke setzen wir ein Quadrat an (Abb. 3).

Abb. 3: Quadrat ansetzen
Wir fragen nach den Bahnkurven der beiden oberen Quadratecken (Abb. 4).

Abb. 4: Bahnkurven
Die Bahnkurven sind Ellipsen mit den Koordinatengleichungen:
2x² – 2xy + y² = 1
x² – 2xy + 2y² = 1
Mit Φ = (1 + √5)/2 ≈ 1.618 wird üblicherweise der Goldene Schnitt bezeichnet.
Die Ellipsen der Bahnkurven haben die Halbachsen Φ und 1/Φ, also das Achsenverhältnis Φ2. Die Achsen der ersten Ellipse haben die Steigungen Φ und –1/ Φ, die Achsen der zweiten Ellipse die Steigungen 1/Φ und – Φ.
Die Bahnkurven sind Überlagerungen zweier Kreisbewegungen mit entgegengesetzt gleicher Frequenz und den Radien ½ und ½√5 (Abb. 5).

Abb. 5: Überlagerung zweier Kreisbewegungen
Literatur
Walser, Hans (2024): Der Goldene Schnitt.
Geometrische und zahlentheoretische Betrachtungen. 7. Auflage. Springer
Spektrum.
Print-ISBN 978-3-662-68556-3. E-Book_ISBN
978-3-662-68557-0.
https://doi.org/10.1007/978-3-662-68557-0
Walser, Hans (2024): The Golden
Ratio. Geometric and Number Theoretical Considerations. Springer. ISBN 978-3-662-69889-1, ISBN
978-3-662-69890-7 (eBook)
https://doi.org/10.1007/978-3-662-69890-7