Hans Walser, [20250732]
Parameterdarstellung der Ellipse
Anfrage: R. G.
Herleitung der Parameterdarstellung der Ellipse
Zu einem Winkel t werden cos(t) und sin(t) gemäß Abbildung 1 definiert. Diese Definitionen gelten auch für größere Winkel t. Für zum Beispiel stumpfe Winkel t ist dann cos(t) negativ.

Abb. 1: Definition von Kosinus und Sinus
Das gelbe rechtwinklige Dreieck hat die Hypotenuse 1. Wegen dem Satz von Pythagoras gilt daher:
cos(t)2 + sin(t)2 = 12
Also:
cos(t)2 + sin(t)2 = 1
Dies gilt auch, wenn die einzelnen Kosinus- oder Sinuswerte negativ sind.
Nun drehen wir den Gedankengang um. Zu jedem Wert von t zeichnen wir den Punkt mit den Koordinaten:
x = cos(t)
y = sin(t)
Die Abbildung 2 zeigt die Situation für zunehmende Werte von t. Die Werte von t sind eigentlich Winkel, können in unserem Zusammenhang aber auch als Zeit gedeutet werden (daher die Variable t). Der Winkel t ist im Bogenmaß angegeben (2π entspricht 360°). Er erscheint als Winkel zwischen der positiven x-Achse und der blauen Verbindungsstrecke vom Mittelpunkt zum jeweiligen Zeichenpunkt.

Abb. 2: Parameterdarstellung des Einheitskreises
Wenn man nur am fertigen Einheitskreis interessiert ist, lässt man die kinematische Herleitung weg und gibt nur das Schlussbild an.
Zu jedem Wert von t zeichnen wir nun den Punkt mit den Koordinaten:
x = r cos(t)
y = r sin(t)
Dabei ist r eine beliebige positive Zahl. Geometrisch bedeutet dies, dass sowohl in der x-Richtung wie in der y-Richtung mit demselben Faktor r vergrößert (oder bei r < 1 entsprechend verkleinert) wird. Damit wird der Einheitskreis zum Kreis mit dem Radius r verändert. In der Abbildung 3 ist r = 1.5 gewählt.

Abb. 3: Beliebiger Kreis
Wir schreiben die beiden Gleichungen
x = r cos(t)
y = r sin(t)
in der Form:

Nun quadrieren wir auf beiden Seiten

und addieren:
![]()
Wegen cos(t)2 + sin(t)2 = 1 ergibt sich:

Dies ist die Gleichung für den Kreis mit Radius r und dem Koordinatennullpunkt als Zentrum. Der Parameter t ist eliminiert worden.
Die Parameterdarstellung gibt die Entstehung des Kreises an, die Koordinatengleichung beschreibt den fertigen Kreis.
Zu jedem Wert von t zeichnen wir nun den Punkt mit den Koordinaten:
x = a cos(t)
y = b sin(t)
Wir verzerren also ungleich. In der x-Richtung vergrößern oder verkleinern wir mit dem Faktor a, in der y-Richtung mit dem Faktor b. Wenn die beiden Faktoren verschieden sind, ergibt sich kein Kreis mehr, sondern eine Ellipse mit den Halbachsen a und b. In der Abbildung 4 wurde a = 1.5 und b = 0.8 gewählt.
Der Winkel t ist nun, von Sonderfällen abgesehen, nicht mehr der Winkel zwischen der positiven x-Achse und der blauen Verbindungsstrecke vom Mittelpunkt zum jeweiligen Zeichenpunkt.

Abb. 4: Parameterdarstellung der Ellipse
Wir können wie beim Kreis den Parameter t eliminieren. Dazu formen wir die Gleichungen
x = a cos(t)
y = b sin(t)
um:

Quadrieren und addieren liefert:

Dies ist die Koordinatengleichung der Ellipse.
Die Abbildung 5 zeigt ein auf der Parameterdarstellung der Ellipse beruhendes mechanisches Zeichengerät für die Ellipse.

Abb. 5: Ellipsenzirkel