Hans Walser, [20250801]
Eintauchen
Spielerei in den Dimensionen eins, zwei und drei.
Die Abbildung 1 zeigt Punkte auf einer horizontalen Geraden. Was geht hier ab?
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Abb. 1: Was geht hier ab?
Die schwarzen Punkte geben offenbar den Takt an. Sie bewegen sich mit konstanter Geschwindigkeit hin und her.
Die roten und die blauen Punkt starten explosiv und enden implosiv.
Wir erleben in der Abbildung 1 das Eintauchen (und das anschließende Wieder-Auftauchen) eines auf einer Ecke stehenden Quadrates, zusammen mit Um- und Inkreis, in eine virtuelle Wasserlinie (Abb. 2). Die offensichtliche Wasserlinie sehen wir nicht.

Abb. 2: Quadrat mit Um- und Inkreis
Der rote und der blaue Kreis entsprechen dem äußeren und dem inneren Rand des gelben Ringes beim Euro (Abb. 3.1).

Abb.
3.1: La rabbia per l'euro perduto
Im schulischen Kontext „steht“ ein Quadrat meistens auf einer Grundseite (Abb. 3.2). Die schwarzen Punkte bleiben an Ort oder sind unsichtbar.

Abb. 3.2: Bodenständiges Quadrat
Bei schiefen Quadraten sind die beiden schwarzen Punkte asymmetrisch angeordnet (Abb. 3.2).

Abb. 3.3: Schiefes Quadrat
In welcher Position sind die beiden schwarzen Punkte trotzdem in symmetrischer Position?
Was hat es mit der Abbildung 4 auf sich? — Die Schulweisheit sagt uns, dass es sich hier um das Analogon in der nächsthöheren Dimension handeln muss.

Abb. 4: Figuren in der Ebene
Die schwarze Figur ist manchmal ein gleichseitiges Dreieck und manchmal ein gleichwinkliges Sechseck mit alternierenden Seitenlängen. Im Sonderfall ist die schwarze Figur auch ein regelmäßiges Sechseck.
In den Sonderfällen des maximalen gleichseitigen Dreiecks ist der rote Kreis der Umkreis des gleichseitigen Dreiecks und der blaue Kreis der Inkreis (Abb. 5.1).

Abb. 5.1: Gleichseitiges Dreieck mit Um- und Inkreis
Im Sonderfall des regelmäßigen Sechsecks ist der grüne Kreis dessen Umkreis (Abb. 5.2). In diesem Sonderfall verhalten sich die Radien der drei Kreise wie √3:√2:1 und entsprechend die Kreisflächen wie 3:2:1. — Richtig, so sieht der Euro in der vierdimensionalen Hyperwelt aus.

Abb. 5.2: Sechseck mit Umkreis
Die Abbildung 6.1 zeigt einen auf einer Ecke stehenden Würfel.

Abb. 6.1: Würfel, auf einer Ecke stehend
In der Abbildung 6.2 ist zusätzlich die Inkugel eingezeichnet. Dank den transparenten Würfelseitenflächen sehen wir die Inkugel.

Abb. 6.2: Inkugel
Die Kantenberührkugel berührt die zwölf Würfelkanten in ihren Mittelpunkten (Abb. 6.3). Die Kantenberührkugel ist im Lehrplan nicht vorhanden, es gibt sie aber trotzdem. Sie erklärt auch die bei der Abbildung 6.5 aufgeworfene Frage.

Abb. 6.3: Kantenberührkugel
Und schließlich die Umkugel (Abb. 6.4).

Abb. 6.4: Umkugel
Ist es möglich, dass ein Spielwürfel auf einer Ecke steht (Abb. 6.5)?

Abb. 6.5: Würfel auf Ecke
Die Abbildung 7 zeigt den Durchgang des Würfels mit den drei Kugeln durch den virtuellen Wasserspiegel. Die Schnittfigur ist die Figur der Abbildung 4.

Abb. 7: Durchgang durch die Ebene
Die Abbildung 8 zeigt einen Bodenständigen Würfel beim Durchgang durch die Ebene.

Abb. 8: Bodenständiger Würfel
In der Ebene sehen wir vom Würfel ein Quadrat oder nichts (Abb. 9).

Abb. 9: Durchgang durch die Ebene
In Sonderfällen hat das sichtbare Quadrat einen Umkreis und einen Inkreis (Abb. 10).

Abb. 10.1: Der blaue Kreis kommt gleich

Abb. 10.2: Umkreis und Inkreis
Man ist versucht zur sagen, die Abbildung 4 zeige, wie eine Flatlanderin den Durchgang eines Würfels mit den drei Kugeln durch ihre Welt sieht. Das kann aber nicht sein, denn dann müsste sie von einem Punkt oberhalb ihrer Welt, also von der dritten Dimension aus, auf ihre zweidimensionale Welt hinabsehen können. So wie Napoleon vom Feldherrenhügel aus auf das Schlachtfeld hinabsieht.
Die intrinsische Sicht der Flatlanderin ist eindimensional, sie sieht lediglich eine pulsierende Strecke, einen Puls pro Durchgang (Abb. 11).
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Abb. 11: Intrinsische Sicht
Von der Abbildung 4 lässt sich nicht eindeutig auf den Würfel mit den drei Kugeln zurückschließen. Ein stumpfes Hexaeder mit entsprechend abgeplatteten Rotationsellipsoiden (Abb. 12) hinterläßt beim Durchgang durch Flatland ebenfalls die Spur der Abbildung 4 (Abb. 13).

Abb. 12: Stumpfes Hexaeder und abgeplattete Rotationsellipsoide

Abb. 13: Durchgang durch Flatland
Wie muss der Würfel deformiert werden, damit Um-, Kantenmitten- und Inkugel zu Ostereiern werden?
Weblinks
Hans Walser: 4d-Sphäre
https://walser-h-m.ch/hans/Miniaturen/4/4d-Sphaere/4d-Sphaere.html
Hans Walser: Kugeldurchgang
https://walser-h-m.ch/hans/Miniaturen/K/Kugeldurchgang/Kugeldurchgang.html
Hans Walser: Würfel auf Ecke
https://walser-h-m.ch/hans/Miniaturen/W/Wuerfel_auf_Ecke/Wuerfel_auf_Ecke.htm
Literatur
Abbott, Edwin A. (1884): Flatland. A Romance of Many Dimensions. London: Seeley.
Burger, Dyonis (1978): Silvestergespräche eines Sechsecks. Köln: Aulis. ISBN 3-7614-0085-3.
Haselmann, Sina und Schmidt-Thieme Barbara
(2025): Besuch im Flächenland: Wie eine Virtual-Reality-Anwendung den
Dimensionsbegriff anschaulich vermitteln kann. MNU Journal – Ausgabe 04.2025 –
ISSN 0025-5866 – Verlag Klaus Seeberger. S. 270-274.
Walser, Hans (2018): Der Würfel. Ansichten – Dimensionen – Modelle. Edition am Gutenbergplatz, Leipzig 2018. ISBN 978-3-95922-102-3.
Walser, Hans (2017): Würfel auf Ecke. mathematik lehren 205 | 2017, 46-47.