Hans Walser, [20250720]
Ganzzahlige Dreiecke
1) Gesucht sind Dreiecke, deren Innenwinkel ganzzahlige Tangenswerte haben.
2) Gesucht sind Dreiecke, deren halbe Innenwinkel ganzzahlige Kotangenswerte haben.
Im Dreieck mit den Eckpunktkoordinaten A(3, 4), B(0, 1), C(3,0) (Abb. 1) ist:
tan(α) = 1, tan(β) = 2, tan(γ) = 3
Für die Winkel α und γ sind diese Tangenswerte aus der Abbildung unmittelbar ersichtlich.
Der Winkel β kann aufgeteilt werden in einen Winkel β1 mit tan(β1) = 1 und einen Winkel β2 mit tan(β2) = ⅓. Aus dem Additionstheorem für den Tangens folgt:


Abb. 1: Ganzzahlige Tangenswerte der Innenwinkel
Geometrisch einsichtig wird der Sachverhalt tan(β) = 2 durch Einzeichnen von drei kongruenten rechtwinkligen Stützdreiecken (blau in Abb. 2).

Abb. 2: Stützdreiecke
Bemerkung: In unserem Beispiel ist:
tan(α) + tan(β) + tan(γ) = tan(α) tan(β) tan(γ)
Dies gilt nicht nur in unserem Beispiel, sondern in jedem beliebigen Dreieck.
In unserem Beispiel haben wir den Fall 1 + 2 + 3 = 1•2•3.
Wir arbeiten im Dreieck mit den Eckpunktkoordinaten A(3, 4), B(0, 0), C(3, 0) (Abb. 3). Es handelt sich um das pythagoreische Dreieck mit den Seiten a = 3, b = 4 und c = 5, das sogenannte „ägyptische“ pythagoreische Dreieck, auch „Lehrerdreieck“ genannt, da es den Hintergrund fast aller Schulaufgaben zum Satz des Pythagoras liefert.

Abb. 3: Ganzzahlige Kotangenswerte der halben Innenwinkel
In diesem Dreieck ist
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Diese Kontangenswerte lassen sich unmittelbar ablesen, wenn wir den Inkreis ins Spiel bringen (Abb. 4). Das pythagoreische Dreieck mit den Seiten a = 3, b = 4 und c = 5 hat den Inkreisradius 1.

Abb. 4: Inkreis
Bemerkung 1: In unserem Beispiel ist:
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Dies gilt nicht nur in unserem Beispiel, sondern in jedem beliebigen Dreieck.
In unserem Beispiel haben wir den Fall 3 + 2 + 1 = 3•2•1.
Bemerkung 2: Pythagoreische Dreiecke haben immer einen ganzzahligen Inkreisradius. Daher sind bei pythagoreischen Dreiecken die Kotangenswerte der halben Innenwinkel immer rational. Die Abbildung 5 zeigt das „indische“ pythagoreische Dreieck mit den Seiten a = 5, b = 12 und c = 13 und dem Inkreisradius 2.

Abb. 5: „Indisches“ pythagoreisches Dreieck
Es ist:
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Die Kotangenswerte sind nicht alle ganzzahlig, aber rational. Nach wie vor ist:
Gibt es weitere Dreiecke mit ganzzahligen Tangens- beziehungsweise Kotangenswerten?
Ganzzahlige Tangenswerte tan(α) gibt es nur für |α| ≥ 45°. Da in einem stumpfwinkligen Dreieck mit γ > 90° die Summe α + β < 90° ist, muss mindestens einer der beiden Winkel α oder β kleiner als 45° sein. Daher kommen stumpfwinklige Dreiecke für unsere Überlegungen nicht in Frage. Das einzige rechtwinklige Dreieck mit ausschließlich Winkeln größer oder gleich 45° ist das rechtwinklig gleichschenklige Dreieck. Hier ist tan(α) = 1, tan(β) = 1, aber tan(γ) nicht definiert. Man kann diskutieren, ob dies als Lösung für unsere Fragestellung taugt.
Somit bleiben für ganzzahlige Tangenswerte nur die spitzwinkligen Dreiecke. Alle Tangenswerte sind dann positiv.
Die Kontangenswerte beziehen sich auf die
halben Innenwinkel. Dies sind immer, auch im stumpfwinkligen Dreieck, spitze Winkel.
Die Frage, ob es weitere Dreiecke mit ganzzahligen Tangens- beziehungsweise Kotangenswerten gibt, ist gleichbedeutend damit, Lösungen der diophantischen Gleichung
p + q + r = pqr
zu finden.
Die triviale Lösung ist:
p = 0, q = 0, r = 0
Für weitere Lösungen bezeichnen wir der Größe nach:
p ≥ q ≥ r > 0
Dann ist die Summe ≤ 3p. Die Summe muss aber auch ein Produkt mit dem Faktor p sein. Daher machen wir die Fallunterscheidung:
(I) Summe = p
(II) Summe = 2p
(III) Summe = 3p
Fall (I): Es muss p = pqr sein, also q = 1 und r = 1. Dann ist die Summe aber nicht p, sondern p + 2. Widerspruch.
Fall (II): Es muss 2p = pqr sein, also q = 2 und r = 1. Die Summe ist dann p + 3. Somit 2p = p + 3, also p = 3. Wir erhalten die schon bekannte Lösung p = 3, q = 2 und r = 1.
Fall (III): Es muss 3p = pqr sein, also q = 3 und r = 1. Die Summe ist dann p + 4. Somit 3p = p + 4, also p = 2. Widerspruch zu p ≥ q.
Die einzige Lösung ist also p = 3, q = 2 und r = 1, also 3 + 2 + 1 = 3•2•1.
Die in der Eingangsfrage gesuchten Dreiecke sind also (bis auf Ähnlichkeitstransformationen) die Dreiecke der Abbildungen 1 und 4. Für den Autor war es überraschend, dass das pythagoreische Dreieck mit den Seiten a = 3, b = 4 und c = 5 auch hier als Lösung auftritt.
Die Abbildung 6 zeigt das Dreieck mit den Eckpunktkoordinaten A(2, 2), B(0, 0), C(2, 1).

Abb. 6: Ein stumpfwinkliges Dreieck
Die Tangenswerte der Innenwinkel können wir in der Abbildung 7 direkt ablesen.

Abb. 7: Hilfsfigur zur Bestimmung der Tangenswerte
Es ist:
tan(α) = 1, tan(β) = ⅓, tan(γ) = –2
Wir haben einen rationalen Tangenswert. Auch in diesem Beispiel ist:
tan(α) + tan(β) + tan(γ)
= tan(α) tan(β) tan(γ)
Summe und Produkt sind negativ, nämlich –⅔.
Weblinks
Hans Walser: Tangens im Dreieck
https://walser-h-m.ch/hans/Miniaturen/T/Tangens_im_Dreieck/Tangens_im_Dreieck.html
Hans Walser: Summe = Produkt
https://walser-h-m.ch/hans/Miniaturen/S/Summe=Produkt2/Summe=Produkt2.html
Hans Walser: Ganzzahlige Dreiecke
https://walser-h-m.ch/hans/Miniaturen/G/Ganzzahlige_Dreiecke/Ganzzahlige_Dreiecke.html