Hans Walser, [20250819]
Phasenverschiebung
Spiel mit Kosinus-Funktionen mit entgegengesetzter Phasenverschiebung
Tetraederähnlicher Körper im Raum
Orientierbarkeit von Flächen
Wir beginnen mit den beiden Funktionen:
g : t → cos(t – ϕ)
h : t → cos(t + ϕ)
Die Abbildung 1 zeigt die Funktionsgrafen für ϕ = π/6 . Der Funktionsgraf von g ist rot, derjenige von h blau gezeichnet. Eine negative Phasenverschiebung ergibt eine Verschiebung des Funktionsgrafen nach rechts.

Abb. 1: Funktionsgrafen
Wird die Phasenverschiebung ϕ vergrößert, wandert die rote Welle nach rechts, die blaue nach links (Abb. 2).

Abb. 2: Vergrößerung der Phasenverschiebung
Die Summe der beiden Funktionen führt zu einer stehenden Welle (grün in Abb. 3).

Abb. 3: Summe der beiden Funktionen
Wir verwenden die beiden Funktionen als Koordinatenfunktion einer Parameterkurve mit dem Parameter t :
x : t → cos(t – ϕ)
y : t → cos(t + ϕ)
Die Abbildung 4 zeigt die die Parameterkurve für ϕ = π/6 . Es ist eine Ellipse.

Abb. 4: Ellipse
Durch Variation der Phasenverschiebung ϕ entsteht eine Ellipsenschar (Abb. 5 und Abb. 6).

Abb. 5: Ellipsenschar

Abb. 6: Ellipsenschar in kinematischer Darstellung
In der Abbildung 7 sind der Pedanterie halber auch noch die Brennpunkte und die Halbachsen der Ellipsen eingezeichnet.

Abb. 7: Brennpunkte und Halbachsen
Für die Halbachsen a und b der Ellipse gilt:
a = √2 cos(ϕ)
b = √2 sin(ϕ)
Die Halbachsen a
und b sind nicht der Größe
nach geordnet. Die Halbachse a kann größer, gleich oder kleiner als die
Halbachse b sein.
Für den
Flächeninhalt A der Ellipse ergibt sich:
A = abπ = 2 cos(ϕ) sin(ϕ) π = sin(2ϕ) π
Wir interpretieren die Ellipsen als Niveaulinien für die Niveaus der Phasenverschiebung ϕ . Die Abbildung 8 zeigt dies für die Niveaus ϕ = kπ/20, k ∈ {0, 1, 2, ... ,10} .

Abb. 8: Niveaulinien
Die Sicht von oben (Abb. 9) entspricht der Ellipsenschar der Abbildung 5.

Abb. 9: Sicht von oben
Die Niveaulinien gehören zur Oberfläche der Figur der Abbildung 10.

Abb. 10: Oberfläche einer Figur
Da die horizontalen Schnittellipsen der
Figur den Flächeninhalt A = sin(2ϕ) π haben,
ergibt sich für das Volumen V :
Wir skalieren die
Figur in der senkrechten Richtung mit dem Faktor 4/π ≈ 1.273 . Dadurch erhält die Figur die
Höhe 2 und das Volumen V = 4 . Dann
verschieben wir die Figur in der senkrechten Richtung um eine Einheit nach
unten (Abb. 11 und Abb. 12).

Abb. 11: Figur

Abb. 12:
Rotierende Figur
Die vier Ecken der
Figur passen in jede zweite Ecke eines Würfels der Kantenlänge 2 (Abb. 13).

Abb. 13:
Einpassen in Würfel
Dieser Würfel hat
das Volumen 8. Unsere Figur mit dem Volumen 4 ist volumenmäßig halb so groß wie
der Würfel. Der Autor findet dies erstaunlich, zumal die Figur den
Einheitskreis als Äquator hat (Abb. 14).

Abb. 14:
Einheitskreis als Äquator
Die Abbildung 15
zeigt die Relation zur Einheitskugel, der Inkugel des
Würfels.

Abb. 15: Figur
und Einheitskugel
Die Kanten des
regelmäßigen Tetraeders mit denselben Ecken wie unsere Figur liegen auf der
Oberfläche der Figur (Abb. 16).

Abb. 16: Tetraederkanten
Allerdings liegt der
Tetraeder nicht vollständig innerhalb unserer Figur (Abb. 17).

Abb. 17: Tetraeder
mit gelben Seitenflächen
Es gelten die
Volumenverhältnisse:
Würfel
: Figur : Tetraeder = 6 : 3 : 2
Wir zeichnen die
Oberfläche der Figur zweifarbig, außen rot und innen blau (Abb. 18 und Abb. 19).

Abb. 18:
Zweifarbige Darstellung der Figurenoberfläche

Abb. 19: Außen
rot und innen blau
Spannend wird es,
wenn wir weiterfahren (Abb. 20 und Abb. 21).

Abb. 20: Weiter
geht’s

Abb. 21: Noch
weiter
Wir haben bei jeder
horizontalen Kante einen Farbwechsel.
An den horizontalen
Kanten durchdringt die Fläche sich selber. Was vorher außen war, wird nun
innen.
Damit können wir
topologische Spielchen bauen. Das Schlüsselstück ist der Farbwechsel von
Äquator zu Äquator (Abb. 22).

Abb. 22:
Farbwechsel
An den beiden
Äquatorkreisen können wir Rohrstücke ansetzen.
Bei einer geraden
Anzahl von Schlüsselstücken ergibt sich eine orientierbare Fläche (Abb. 23).

Abb. 23:
Orientierbare Fläche
Bei einer ungeraden
Anzahl von Schlüsselstücken gibt es eine Fläche, welche nicht orientierbar ist
(Abb. 24). Man kann sie nicht mit zwei Farben bemalen.

Abb. 24:
Nicht-orientierbare Fläche
Weblinks
Hans Walser: Kreisdarstellung
https://walser-h-m.ch/hans/Miniaturen/K/Kreisdarstellung2/Kreisdarstellung2.html
Hans Walser: Schiefe Ellipse
https://walser-h-m.ch/hans/Miniaturen/S/Schiefe_Ellipse/Schiefe_Ellipse.html